Neue Nationalgalerie Berlin

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Die Neue Nationalgalerie, ein Innenportrait
Seit nunmehr zwei Jahren ist die Neue Nationalgalerie wegen einer Grundinstandsetzung geschlossen. Die Generalsanierung des einzigen Gebäudes, das Mies van der Rohe nach dem Krieg in seiner Heimat gebaut hat, wird von David Chipperfield Architects durchgeführt. Das 1968 eröffnete und inzwischen denkmalgeschützte Haus wird an die Anforderungen eines modernen Museumbetriebs angepasst.
Dieser Prozess ist Anlass und Thema einer künstlerischen Arbeit des Berliner Fotografen Michael Wesely und bestimmt auch ihre Dauer. In der Mitte der großen, stützenfreien Haupthalle hat er vier Kameras montiert, deren Bildwinkel zusammen eine Rundumsicht ergeben, und die er technisch so verändert hat, dass sie den mehrjährigen Renovierungsvorgang in jeweils einer Langzeitbelichtung aufzeichnen. In diesem Intervall bildet sich jeder statische Gegenstand scharf im Filmmaterial ab, während jedes Objekt, das sich sehr langsam bewegt oder verändert, verwischte oder schemenhafte Gestalt im Bild annimmt. Objekte, die sich schnell bewegen, schreiben sich überhaupt nicht in die Aufnahme ein und verlieren ihre sichtbare Existenz. So bildet sich die Tragwerkskonstruktion des ikonischen Gebäudes scharf und materialgerecht ab, während andere Objekte ihre Erscheinungsform und ihren Charakter im Bild verändern: Die Demontage der Garderoben führt dazu, dass sie in der Langzeitbelichtung zu opaken, mit der Zeit transparenten Objekten werden. Die durch das Herausheben der Granitplatten sichtbar gewordenen Lufteinschließungen verleihen dem Fußboden eine fast erdbodenartige Qualität, und die akkumulierende Aufzeichnung sich wiederholender Jahreszeiten streut das Tageslicht und gibt ihm eine weiche und warme Farbgebung.
Das vorliegende Bild „Neue Nationalgalerie (1.April 2016 – 23. November 2016)“ zeigt ein gültiges Zwischenergebnis. Erst mit dem Ende der Renovierung wird das mit der Zeit um weitere Informationen angereicherte finale Werk existieren, das den gesamten Prozess latent und teils auch sichtbar in sich trägt. Wie bei dem von Thomas Mann in seinem Roman Zauberberg beschriebene Röntgenbild von Madame Chauchat handelt es sich bei dieser Arbeit von Michael Wesely um ein „Innenporträt“, das Außensicht und Innenform, Darstellung und Interpretation in sich vereint.

Thomas Weski

Bilder des Projektes